Elterngeld oder Elterngeld Plus? – Die richtige Wahl bei einem Zuverdienst

Elterngeld Zuverdienst

Als ich meinen ersten Elterngeldantrag nach der Geburt meines ersten Kindes ausgefüllt habe, war ich erstaunt darüber, wie kompliziert und formalistisch das ganze abläuft.

Es ist überhaupt nicht ersichtlich, wie die Höhe des Elterngeldes genau berechnet wird oder welches Modell das Richtige für die persönliche Situation ist.

Hinzu kommen noch tausende Ausnahmen und Abzüge, die unter bestimmten Voraussetzungen tragend werden können.

Deswegen ersetzt dieser Blogartikel auch keine umfassende Beratung, sondern gibt dir nur einen groben Überblick, wann sich das Basiselterngeld lohnt und wann es sinnvoller ist, Elterngeld Plus zu wählen.

Was ist das Elterngeld also genau?

Am 01. Januar 2007 wurde in Deutschland das Elterngeld eingeführt.
Dabei handelt es sich um eine Transferzahlung des Staates an frischgebackene Eltern, um es Berufstätigen zu ermöglichen ihr Kind für eine gewisse Zeit ohne ein regelmäßiges Arbeitseinkommen zu betreuen. Das Elterngeld ist grundsätzlich auf 12 Monate beschränkt. Durch die sogenannten Partnermonate, lässt sich der Bezug des Elterngeldes auf 14 Monate ausweiten.

Seit dem 01. Juli 2015 besteht die Möglichkeit über das Elterngeld Plus den Bezugszeitraum auf die doppelte Zeit zu verlängern (28 Monate).

Wie hoch ist das Elterngeld?

Das monatlich gezahlte Basiselterngeld kann je nach Einkommen der Eltern eine Höhe zwischen 300€ und 1.800€ haben. Beim Elterngeld Plus ist es jeweils der hälftige Betrag zwischen 150€ und 900€.

Die Untergrenzen bilden jeweils den Mindestsatz an Elterngeld, den auch Eltern bekommen, die kein regelmäßiges Einkommen beziehen; wie beispielsweise Hausfrauen/Hausmänner, Studenten oder Arbeitslose.

Auf der anderen Seite ist das Elterngeld bei maximal 1.800€ bzw. 900€ gedeckelt. Diese Deckelung betrifft vor allem Besserverdienende Eltern.

Die endgültige Höhe des Elterngeldes bemisst sich nach dem durchschnittlichen Nettoeinkommen der letzten 12 Monate vor Geburt des Kindes des Elternteils, welches Elterngeld in Anspruch nimmt.

In der Regel handelt es sich dabei um 65% des durchschnittlichen Monatseinkommens. Bei Einkommen unter 1.200€ beträgt der Satz 67% und bei Einkommen unter 1.000€ sogar bis zu 100%.

Je nachdem, ob noch weitere Kinder im Haushalt leben oder, ob es sich um Mehrlingsgeburten handelt, kann das Elterngeld auch noch höher ausfallen.

Elterngeld und Zuverdienst während des Bezugszeitraumes

Wenn du deine Arbeit während des Bezugszeitraumes ruhen lässt und keine weiteren Einkommensquellen hast, dann fällt die Entscheidung leicht. Du kannst sowohl ohne Abzüge entweder das Basiselterngeld wählen oder dich für das Elterngeld Plus entscheiden.

Tricky wird es da aber, sobald du während des Bezugszeitraums noch ein Einkommen beziehst.

Grundsätzlich gilt beim Basiselterngeld, dass jeder Zuverdienst auf das Elterngeld angerechnet wird.

Beim Elterngeld Plus gibt es einen gewissen Freibetrag, den man ohne Abzüge dazuverdienen kann.

Als grobe Faustregel gilt hier, dass du beim Elterngeld Plus bis zu 50% des vorherigen Nettos dazuverdienen kannst, ohne dass dir etwas vom Elterngeld abgezogen wird.

Schauen wir uns einmal folgendes Beispiel an:

Anita ist Autorin und hatte vor der Geburt ihres Kindes ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 2.000€.
Während der Elternzeit bezieht Anita weiterhin Tantiemen aus ihren Büchern, die sie vor der Geburt veröffentlicht hat. Die Tantiemen betragen in der Regel circa 800€ im Monat.

 BasiselterngeldElterngeld Plus
Elterngeld-Anspruch1.300€650€
Zuverdienst800€800€
Abzüge beim Elterngeld durch ZuverdienstCa. 350€0€
Elterngeldzahlung + Zuverdienst1.750€1.450€


Anita würde beim Basiselterngeld jeden Monat circa 350€ weniger Elterngeld erhalten, weil ihr Zuverdienst auf das Elterngeld angerechnet wird. Beim Elterngeld Plus hätte sie nach unserer Beispielrechnung keine Abzüge.

Du kannst auch für deine persönliche Situation den Elterngeldrechner des Familienportals ausprobieren.

Fazit

Grundsätzlich gilt, dass das Elterngeld Plus immer die bessere Wahl ist, wenn ihr neben dem Elterngeld noch weiteres Einkommen im Bezugszeitraum erwirtschaftet.

Dies gilt neben Einkommen aus nichtselbstständiger Erwerbstätigkeit auch für folgende Beispiele:

  • Einkünfte aus einer Photovoltaikanlage
  • Dienstwagen und andere geldwerte Vorteile
  • Als Mitunternehmer an Personengesellschaften

Vorsicht ist auch geboten, wenn du im Elterngeld-Bezugszeitraum noch Leistungen von deinem Arbeitgeber beziehst, wie beispielsweise Provisionen für bereits abgeschlossene Projekte. Auch diese werden dem Elterngeld angerechnet.

Wie du siehst, gibt es bei der Wahl und Berechnung des Elterngeldes einiges zu beachten. Was für dich und deine Familie die beste Wahl ist, ist immer individuell abzuwägen.

Und als wären die Einkommenseinbußen nicht schon Herausforderung genug, kommen mit jedem Kind noch weitere Kosten auf die Familie hinzu.
Hier kannst du im Blogartikel nachlesen, was ein Kind eigentlich durchschnittlich im Monat kostet.

Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu nehmen, denn meistens sind Kinder keine Entscheidung des Geldes, sondern des persönlichen Glücks.
Und Glück lässt sich bekanntlich nicht kaufen.


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